Weihnachten in New York: Interview mit Robert Gerstner (Aedes de Venustas)

Aedes de VenustasDas große Essenza Nobile Weihnachts-Interview!

Viel ungünstiger hätte ein Interviewtermin wohl kaum gewählt sein können: Ausgerechnet mitten im turbulenten New Yorker Vorweihnachtsgeschäft haben wir Robert Gerstner, einen der beiden Gründer der kultigen Düfte-Schatzkammer Aedes de Venustas, zum Interview gebeten. Gerade für Geschäftsleute in der Shopping-Welthauptstadt New York ist die Vorweihnachtszeit ja gleichbedeutend mit permanentem Ausnahmezustand – zumal wenige Tage vor „Christmas Eve“!

Umso mehr freut es uns, dass Robert Gerstner zwischen weihnachtlichem Präsente-Fieber, Schlange stehenden Kunden und einem Hausbesuch bei Sarah Jessica Parker etwas Zeit fand, um unsere Fragen zu beantworten…

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Essenza Nobile: Herr Gerstner, Weihnachten steht vor der Tür. Und Weihnachtszeit ist Shopping-Zeit. Wie voll wird es eigentlich in Ihrem ja gerade einmal 55 Quadratmeter kleinen Geschäft vor Weihnachten? Treten sich da nicht die Kunden gegenseitig auf die Füße? Oder verkaufen Sie mittlerweile schon Eintrittskarten für Aedes de Venustas? (lacht) 

Robert Gerstner: Eintrittskarten sind eine gute Idee (lacht). Ja, es kann schon so richtig voll werden, dass man kaum durch den Laden kommt. Aber New Yorker sind Enge und Warten gewohnt, wir kommen damit also schon klar.

Essenza Nobile: Weihnachten in New York – wie erleben Sie das? Herrscht da eine besondere Stimmung? Oder ist das auch nicht anders als Weihnachten in… Braunschweig, Bayreuth oder Buxtehude?

Robert Gerstner: Die Zeit vor Weihnachten in New York ist noch hektischer, lauter und verrückter als sonst. Verkehr ist eine Katastrophe, alle Kunden wollen alles auf einmal und sofort…  Wir verbringen 12 bis 14 Stunden am Tag im Laden, bekommen also vom Rest der Stadt wenig mit.

Der 24.12. (Christmas Eve) und der 25.12. (eigentlich Weihnachten hier) sind dann allerdings extrem ruhig und die sonst so pulsierende Metropole wird dann plötzlich ganz still,… das ist schon was besonderes.

Essenza Nobile: Sie stammen beide ursprünglich aus Deutschland, genauer gesagt aus Bayern – leben aber schon seit etlichen Jahren in den USA. Wie viel verbindet Sie noch mit der alten Heimat, gerade auch jetzt, in der Weihnachtszeit?

Robert Gerstner: Wir haben sehr engen Kontakt nach Deutschland und sind auch mehrere Male im Jahr dort. Wir sprechen auch noch Bayerisch miteinander, da ist schon noch einiges da.

Winter in New York

„…das ist schon was besonderes”: Weihnachtszeit in New York

Essenza Nobile: Naomi Campbell, Meryl Streep, Sarah Jessica Parker…: Wie man hört, gehen bei Aedes de Venustas Stars und Prominente ein und aus. Welche bekannten Gesichter haben Sie in Ihrem Laden zuletzt gesichtet?

Robert Gerstner: Oh, regelmäßig, auch viele US Stars, die man in Deutschland nicht so kennt. Zu SJP (Sarah Jessica Parker, Anm. d. Red.) muss ich übermorgen ins Haus, für Geschenke….

Essenza Nobile: Egal ob prominent oder nicht: Wo Kunden einkaufen gehen, tobt das Leben und es geschehen manchmal die tollsten Dinge. Wir kennen das ja selbst nur zu gut, sowohl von Essenza Nobile als auch von unserem Ladengeschäft, der Kurfürsten Parfümerie in Mannheim. Fällt Ihnen spontan eine denkwürdige oder lustige Anekdote aus der Geschichte von Aedes de Venustas ein, die unbedingt mal erzählt werden und für die Nachwelt festgehalten werden sollte?

Robert Gerstner: Da werde ich noch ein Buch darüber schreiben……….. von Kunden, die sich mit der Ware unterhalten, über die Prinzessin aus Saudi-Arabien, die mal schnell $ 100,000.00 cash in der Tasche hat – so viele Dinge passieren, bei durchschnittlich 100 Kunden/Tag.

Essenza Nobile: Ihr Geschäft setzt ja in so mancher Hinsicht einen Kontrapunkt zu herkömmlichen Vorstellungen von „Luxus-Shopping“: Ihre Schatzkammer der Düfte verbirgt sich hinter einer – mit Verlaub – stinknormalen Hausfassade. Backstein statt Marmor! Von außen betrachtet deutet auf den ersten Blick kaum etwas darauf hin, was sich im Inneren so alles an edlen Kostbarkeiten befindet. Und statt einer großzügigen Verkaufsfläche auf mehreren Etagen erwartet den Besucher von Aedes de Venustas ein Verkaufsraum von der spartanischen Größe einer Ein-Zimmer-Wohnung; der Laden ist geprägt von einer Mischung aus behaglicher Wohnzimmeratmosphäre und dem etwas schrulligen Charme eines Antiquitätengeschäfts. Gehe ich recht in der Annahme, dass all das kein Zufall ist? Entspricht das Ihrem ganz persönlichen Stil, Geschmack und Lebensgefühl, steckt dahinter ein ausgeklügeltes Konzept – oder hat sich das halt einfach so ergeben?

Robert Gerstner: Es hat sich eigentlich alles so ergeben. Wir wollten von Anfang an eine europäische Atmosphäre, kein Glas, Stahl und “clean” Look. Über die Jahre haben sich so einige Dinge angesammelt und unser Dekor beeinflusst. Die Kunden lieben es, da einzigartig in New York und auch die Tatsache, dass wir so versteckt sind. Wir sind “destination” und man muss auch klingeln, um Einlass zu bekommen.

Christopher Street

Christopher Street, New York: Hier wohnt Aedes de Venustas…

Essenza Nobile: Bei Aedes de Venustas gibt es zahlreiche Parfummarken aus dem Luxussegment. Wer in der Branche arbeitet, weiß aber: Je prestigereicher die Marke, umso schwieriger ist es auch, diese für sich zu gewinnen – Stichwort: selektiver Vertrieb. Wie schwer war es für Sie am Anfang, die Edelmarken für Aedes de Venustas zu begeistern, zumal Sie anfangs ja absolut fachfremde Branchen-Neulinge waren und kaum mehr zu bieten hatten als viele gute Absichten?

Robert Gerstner: Unsere Idee wurde vor fast 19 Jahren mit Begeisterung aufgenommen, wie hatten keinerlei Probleme, die besten Marken sofort zu bekommen.

Essenza Nobile: New York ist ja so etwas wie die heimliche Shopping-Hauptstadt der Welt. Wie schwer ist es, in einer vor Einkaufmöglichkeiten nur so überquellenden Weltmetropole wie New York mit einem neuen Geschäft einen Fuß in die Tür zu bekommen? Und wie haben Sie es geschafft – was ist Ihr Erfolgsrezept, was lockt die Leute in die Christopher Street Nr. 9?

Robert Gerstner: Wir haben zu einer Zeit angefangen, wo es noch kein Internet gab, Handys oder ähnliches, Kunden mussten regelrecht auf die Straße gehen. New Yorker sind offen für alles, also ein neuer Laden, mit Produkten, die die Kunden nur aus Europa kannten in einem Ambiente wie bei uns – wir wurden mehr oder weniger über Nacht zum “It” Shop. Dass wir dann ein Jahr nach Öffnung Naomi Campbell kennen lernten und damit Zutritt zu dieser ganzen Welt, auch Hollywood, bekamen, half natürlich sehr.

Essenza Nobile: Aus 55 Quadratmetern haben Sie einen Hot Spot des New Yorker Luxus-Shoppings gemacht. Würden Sie sich insofern selbst als Beispiel für eine gelungene Umsetzung des berühmten „amerikanischen Traums“ betrachten?

Robert Gerstner: Absolut, was wir heute machen, geht nur in New York!

Essenza Nobile: Wird es immer bei dem gemütlichen 55-Quadratmeter-Store bleiben? Oder wird irgendwann der Tag kommen, an dem Sie in einen New Yorker Wolkenkratzer umziehen?

Robert Gerstner: Das wird die Zeit uns lehren…. jetzt lache ich (lacht)

Essenza Nobile: Herr Gerstner, vielen Dank für dieses Interview – und ein herzliches „Merry Christmas“ nach NYC!

Robert Gerstner: Gerne, Happy Holidays!

Weihnachts-Impression aus New York

Weihnachts-Impression aus New York